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10.03.2020 20:15 Alter: 233 days

Aus dem Leben eines Kulturmanagers


Interview mit Lukas Böckle / VILLA MÜLLER, 4.3.2020

Die VILLA MÜLLER ist im Rahmen von „double check“, der nachhaltigen und von der Kulturabteilung des Landes Vorarlberg und dem Vorarlberger Kulturservice finanzierten Projekte, Kulturpartner des Gymnasiums Schillerstraße.

Das Wahlpflichtfach Kulturmanagement stellt in unregelmäßigen Abständen KulturmanagerInnen aus der Region vor:

Wie würden Sie Kultur definieren?

Kultur ist ein breitgefächerter Begriff, der Musik und Kunst ebenso umfasst wie Brauchtum. Er kann auch sehr offen sein und zum Beispiel ebenso Esskultur meinen.

Was sehen Sie als „Stadtkultur“ an?

Zuallererst ist damit die Geschichte einer Stadt gemeint. Feldkirch ist eine mittelalterlich geprägte Stadt, wie man immer noch an den alten Gebäuden, dem Rittermarkt, der Marktgasse usw. ablesen kann. Eine junge Stadt, wie es sie zum Beispiel in den USA gibt, ist etwas anderes. Eine alte Stadt mit Geschichte hat einen ganz besonderen Flair, der nicht mit einer Neugründung verglichen werden kann. Man sieht das zum Beispiel an der Seestadt Aspern, einem Stadtteil, der in den letzten Jahren am Rand von Wien aus dem Boden gestampft wurde. Da fehlt dann das Netzwerk, der Zusammenhalt, der Charme der gewachsenen Stadt.

Sehen Sie sich selbst als Kulturmanager? Was sehen Sie als Aufgaben des Kulturmanagements?

Ich sehe mich selbst überhaupt nicht als Kulturmanager. Ich mache Leerstandsmanagement, weil es Menschen gibt, die sich keinen Raum leisten können, aber ihre guten Ideen umsetzen möchten. Oft sind es Kulturveranstaltungen, für die ich Raum zur Verfügung stelle, Öffentlichkeitsarbeit mache, aber das geschieht alles auf Augenhöhe mit den Kulturschaffenden.

Hat Ihnen dieser Beruf immer schon zugesprochen oder wie entwickelte sich Ihr Interesse am Kulturmanagement?

Das geht eigentlich bis ins Gymnasium zurück. Ich habe das Borg-Schoren in Dornbirn, Musikzweig, besucht. Ich habe damals schon Schlagzeug in der Schulband gespielt. Immer zu Schulschluss haben wir „Rock am Schoren“, einen Konzertabend mit unterschiedlichen Bands, organisiert. Das war hundertmal besser als der Schulalltag. Diese praktische Arbeit hat mir immer viel mehr Freude gemacht, viele Menschen anzusprechen und sie zu begeistern. Ich denke, dass ich das gut kann, etwas zu initiieren, die Umsetzung und die Nachbearbeitung ist dann vielleicht noch ein anderes Thema.

Warum haben Sie diesen Beruf gewählt?

Ich bin da hineingerutscht, es hat sich gefügt. Ich habe nach dem Gymnasium Architektur studiert, was ein ziemlich lässiges Studium ist. Es ist sehr vielfältig, umfasst Aktzeichnen ebenso wie 3D-Modellierungen. Es sind viele Spezialisierungen möglich. Im zweiten Studienabschnitt bin ich am Kulturinstitut gelandet. „Kunst im öffentlichen Raum“ hat mich sehr begeistert und dadurch bin ich auch in diese Kunstszene geraten. Ich habe das nicht sehr bewusst ausgesucht.

Das temporäre Bespielen von unterschiedlichen Räumen habe ich immer schon sehr spannend gefunden und das ist eher dem Eventmanagement ähnlich als der klassischen Architektur. Es ist ein „Work in Progress“, keine abgeschlossene Angelegenheit.

Was lieben Sie an Ihrem Job?

Niemand schafft mir was an, sagt mir, was zu tun ist. Ich handle eigenverantwortlich. Allerdings ist ein gutes Team dabei sehr sehr wichtig. Es geht um selbstständiges Arbeiten, aber auch um teamfähiges Zusammenarbeiten, sich gegenseitig zu helfen. Eine offene Kommunikation ist unverzichtbar. Alles hängt auch von der Selbsteinschätzung der Personen ab, die wissen sollten, wann sie an Unterstützung brauchen. Wir arbeiten in einer flachen Hierarchie, sind auf ehrenamtliche Arbeit angewiesen. Ich bin aber kein Freund von Selbstausbeutung, denn es ist sehr schwierig, nur mit Ehrenamt etwas Nachhaltiges aufzubauen.

Wie viel Zeit investieren Sie in Ihre Arbeit? Gibt es für Sie feste Arbeitszeiten?

Ich habe keine festen Arbeitszeiten. Ich denke, es sind zwischen 70 und 80 Wochenstunden, die ich für diese Arbeit investiere.

Welcher Faktor der Planung eines Kulturevents ist am aufwendigsten?

Das hängt vom Projekt ab. Im Augenblick organisieren wir ein Sommernachtskino im Juni, wo der Film einer Freundin, einer Filmemacherin, gezeigt werden soll. Der Termin war hier sehr schnell gefunden, die Rahmenbedingungen wurden sehr unkompliziert festgelegt. Aber es kann manchmal natürlich auch sehr mühsam sein. Wenn zum Beispiel ein Termin immer wieder verschoben wird.

Wenn die Hierarchie flach ist und mündliche Absprachen reichen, dann geht die Planung relativ rasch, wenn aber Verträge notwendig sind und immer wieder Besprechungen angesetzt werden, um neue Unklarheiten zu diskutieren, dann benötigt es schon viel Zeit.

Aufwändig ist es meist auch, die Unterlagen für die Öffentlichkeitsarbeit einzusammeln, Foto, Texte usw., um damit dann die Kommunikation zu füttern.

Welche Art von Veranstaltungen findet am häufigsten in der VILLA MÜLLER statt?

Im Augenblick sind es sicher die „MUSIKSALON“, die am häufigsten durchgeführt werden. MusikerInnen melden sich bei uns und spielen dann für „Hutgeld“ oder ein Honorar, welches über das Kulturbudget finanziert wird. Wir stellen die Getränke und machen die Bewerbung. Wir verbinden damit auch einen Kollaborationsgedanken: Wir haben gemeinsame Interessen – spannende Veranstaltungen hier in der Villa Müller.

Hast Du in der VILLA MÜLLER einen Lieblingsraum?

Die Küche ist mir eigentlich der liebste Raum. Nicht nur weil ich gerne esse, auch weil er der Raum ist, das Zentrum, wo die Leute zusammenkommen. Hier finden die tollsten Gespräche statt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wahlpflichtfach Kulturmanagement:

Elina Breuß, Julia Koch, Leonora Lichtinger, Sajra, Ljubijankic, Greta Mödlagl, Precious Peter, Carmen Redl, Medina Samardzic, Christina Wiedemann

Fotos: Medina Samardzic